Eine Frau liest die Financial Times

Nach wie vor gefragt: Anleger setzen auf klassische Medien. (Foto: ©shutterstock.com/stefanolunardi)

Viel wird derzeit im Netz über die Medienkrise geschrieben und gesprochen. Doch manchmal fragt man sich, ob die angebliche Medienkrise nicht erst durch die Berichterstattung in den Medien zu einer Krise wird. Wenn man sich oft genug einredet, keine Zukunft mehr zu haben, dann glaubt man irgendwann daran. Klar ist: Die Bedürfnisse der Mediennutzer selbst stehen bei den Diskussionen nicht immer an erster Stelle.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Die Kernaussage:  Für viele Menschen sind die klassischen Medien nach wie vor der Informationskanal Nummer eins, wenn es um das Thema Investments geht.  In der Kommunikation mit Privatanlegern führt also kaum ein Weg an Tageszeitungen und Wirtschaftsmagazinen vorbei. Der Medienkrise zum Trotz hat ihre Bedeutung in den vergangenen Jahren sogar leicht zugenommen.

Drei von vier Privatanlegern nutzen als Informationsquellen für ihre Anlageentscheidungen primär Zeitungen, Zeitschriften sowie Wirtschaftssendungen im Fernsehen und im Internet, so die Ergebnisse der Studie, die das DAI in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum, dem Deutschen Investor Relations Verband (DIRK) und der Deutschen Post durchgeführt hat. Wichtig zu wissen: Presseberichte haben für Privatanleger nicht nur eine hohe Bedeutung – sie sind in ihren Augen auch am aktuellsten, verständlichsten und vertrauenswürdigsten. Zwar wurden für die Studie in erster Linie Aktionäre befragt – aber das Ergebnis dürfte im Grunde auch für Privatanleger gelten, die mit Investmentfonds und Zertifikaten in Aktien investieren.

Jeder zweite Privatanleger liest Unternehmenspublikationen

Das soll allerdings nicht heißen, dass die Pressearbeit der alleinige Königsweg ist. Für Unternehmen, die nicht selbst Anlageprodukte verkaufen, sondern Privatanleger für ihre Aktien begeistern wollen, bleibt der Geschäftsbericht ein wichtiges Kommunikationsmittel. Denn jeder zweite Privatanleger schaut vor einem Investment in diese Unternehmenspublikationen. Allerdings sind die Macher gut beraten, ihr letztes Werk noch einmal kritisch in die Hand zu nehmen und im Zweifelsfall einen Bekannten fragen, ob er alles versteht, was dort geschrieben steht.  Denn nur jeder dritte der befragten Privatanleger hält die aktuellen Geschäftsberichte für verständlich. Hier gibt es also noch Luft nach oben.

Das gilt auch für das Vertrauen der Banken. Nur 27 Prozent der Befragten halten die Beratung durch Banken, Sparkassen und Broker für vertrauenswürdig. Damit ist das Vertrauen im Vergleich zu den ersten beiden Befragungen in den Jahren 2005 und 2009 (39 und 34 Prozent) auf einen Tiefpunkt gesunken. Die Folge: Für nur noch 30 Prozent der Privatanleger ist das Beratungsgespräch von Bedeutung. Vertrauensbildende Maßnahmen sind also dringend geboten, wenn auch in Zukunft über diesen Vertriebskanal Produkte verkauft und Aktionäre gewonnen werden sollen.

In einer Zeit, in der die Folgen der Finanzkrise noch immer nachhallen, ist dieses Ergebnis nicht wirklich überraschend – weshalb zum Beispiel Dirk Elsner, Gewinner des finanzblog awards 2012, kommentierte: „Banken verlieren zum 5.381 Mal das Vertrauen der Privatanleger – na und“.

Doch nicht nur die Banken erhalten ein schlechtes Zeugnis. Überraschend ist, dass die sozialen Medien hinsichtlich ihrer Bedeutung als Informationsquelle in der Studie mit 3 Prozent auf dem letzten Platz landen – noch, muss man allerdings sagen. Denn für 25 Prozent der Anfänger sind Facebook, Twitter und Blogs bereits jetzt als Informationsquellen interessant. „Da speziell diese Gruppe eher jüngere Privatanleger umfasst, ist dies ein wichtiger Hinweis darauf, dass den Social Media wie bereits im Alltag vieler junger Menschen auch bei wirtschaftlichen Entscheidungen künftig eine wichtige Rolle zukommen könnte“, schreiben die Autoren der Studie, Prof. Dr. Bernhard Pellens und Dr. André Schmidt von der Ruhr Universität Bochum. Wer die Kunden oder Aktionäre von morgen erreichen will, sollte sich auf ihre Informationskanäle einlassen.

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Jörg Schüren

Senior Consultant | Head of Investment Communications bei Edelman.ergo
Jörg Schüren arbeitet seit 2004 bei Edelman.ergo. Er berät Kunden aus der Finanzbranche. Zu seinen Schwerpunkten gehören insbesondere Zertifikate, Hebelprodukte und Exchange Traded Funds (ETFs). Der studierte Historiker, Politologe und Betriebswirt (M.A.) arbeitete zuvor mehrere Jahre als Wirtschaftsjournalist, u. a. für Medien wie den Bonner General-Anzeiger.

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