Andrea Bresch

Andrea Bresch

Viele Kundenmagazine sind genauso gut wie Zeitschriften, die es am Kiosk zu kaufen gibt. Diese These vertritt Andrea Bresch die in ihrer Bachelorarbeit die Qualität beider Gattungen miteinander verglichen hat. Edelman.ergo hat mit ihr gesprochen.

Bare Münze: In Ihrer Bachelorarbeit haben Sie Kundenmagazine mit normalen Kaufzeitschriften verglichen. Also, verraten Sie uns: Können Kunden ihr Geld in der Tasche lassen und beherzt auf kostenlose Kundenmagazine zurückgreifen?

Andrea Bresch: Ja – tatsächlich können Kunden das immer öfter. Meiner Untersuchung zufolge sind in einigen Bereichen die Kundenmagazine beispielsweise von großen Unternehmen qualitativ ähnlich hochwertig wie Kauftitel. Besonders im Bereich der Frauenzeitschriften können Interessierte ihr Bares ab und an behalten und stattdessen Kundenmagazine lesen.

Bare Münze: Wieso sehen Sie denn insbesondere den Bereich der Frauenzeitschriften als ersetzbar an?

Bresch: Gerade in Frauenzeitschriften werden immer mehr Anzeigen aufgenommen, um die Finanzierung zu sichern. Zwar habe ich bei dem stichprobenartig untersuchten Kundenmagazin insgesamt mehr werbliche Inhalte als in der Kaufzeitschrift gefunden, die journalistische Qualität beider Medien war jedoch auf demselben Level.

Bare Münze: Und wie sieht’s mit anderen Magazingattungen aus?

Bresch: Auch in vielen anderen Bereichen hat sich die Qualität von Kundenzeitschriften großer Unternehmen bereits an die der Kaufzeitschriften herangetastet. Grund dafür ist auch, dass einerseits die Unternehmen selbst um Aufmerksamkeit buhlen müssen und es andererseits bereits viele Kundenmagazine auf dem Markt gibt. Diese konkurrieren dann untereinander und verbessern sich hierdurch journalistisch, um Leser zu gewinnen. Auf der anderen Seite kämpfen viele Kauftitel ums Überleben. Etats werden gekürzt, es werden weniger Redakteure eingestellt, und es bleibt insgesamt weniger Zeit für Recherche und journalistisches Arbeiten. Beide Zeitschriftenarten nähern sich somit qualitativ an.

Bare Münze: Wie sieht es in der Finanzbranche aus – ist die Qualität von Kundenzeitschriften hier ähnlich hoch?

Bresch: Ja. In Kundenzeitschriften von Investmenthäusern oder Banken erscheinen viele leserorientierte Artikel, die vom Marktgeschehen oder ähnlichen Themen handeln, und nicht direkt das Unternehmen in den Vordergrund stellen. Die Artikel sind oft gut recherchiert, und da der Input meistens von Experten aus den Investmenthäusern selbst stammt, sind sie inhaltlich in der Regel auch qualitativ hochwertig.

Bare Münze: Aber ist es nicht trotzdem so, dass Kundenzeitschriften PR sind und somit einseitiger berichten?

Bresch: Natürlich sollten Leser immer bedenken, dass auch im Investment-Bereich in vielen Kundenzeitschriften Produkte und das Unternehmen selbst erwähnt werden. Es steckt aber aus Finanzierungsgründen auch in normalen Zeitschriften – egal ob im Finanzbereich oder nicht – einiges an PR, beispielsweise durch Gastbeiträge oder Advertorials. Anders als bei Kundenmagazinen sind diese werblichen Inhalte gelegentlich nicht einmal entsprechend gekennzeichnet. Jeder Leser muss also sowohl bei Kundenmagazinen als auch bei Kaufzeitschriften darauf achten, dass er selbst nicht unterbewusst beeinflusst wird. – Aber ich denke, die große Mehrzahl der Finanzinteressierten ist durchaus in der Lage zu abstrahieren und Aussagen auf ihre Objektivität hin zu überprüfen. Wer also dafür sensibilisiert ist, dass Unternehmen hinter Kundenzeitschriften stehen,  kann hier wertvolle Informationen gewinnen. Da stehen Kundenmagazine so manchem Kauftitel in nichts nach.

Andrea Bresch ist Trainee im Team Financial Services bei Edelman.ergo. In ihrer Bachelorarbeit hat sie untersucht, wie groß die Unterschiede zwischen Kunden- und normalen Kaufzeitschriften in der heutigen Zeit noch sind.

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